INGENIEUR-NACHRICHTEN – Ausgabe 3/2016

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Die Ausgabe 3 / 2016 (Print) ist am 8. Juni 2016 erschienen.

Titelthema“ Additive Fertigungsverfahren“

INHALTSVERZEICHNIS

TITELTHEMA
06   Additive Fertigung für Spritzgussformen
07   Teile drucken in der Hälfte der Zeit
08   NextGen Spaceframe verbindet Leichtbau und Flexibilität
09   Personalisierte Medizin durch additive Fertigung
INFORMATIONEN
10   Werkstoffprüfung beim Laserstrahlschmelzen
11   Lasersintern von Kunststoffen
12   Beton-3D-Druck
12   3D-Druck von Ersatzteilen
13    Kupferabscheidung für winzige 3D-Objekte
14   Jenaer Lasersystem stellt erneut Weltrekord auf
14   3D-Druck für den Schreibtisch
15   Dekubitusvorsorge mit Hilfe intelligenter Sensorfasern
15   Technologie erobert Medizin und Haushalt
16   Demenz, Demenz …
17   Ingenieure für die Zukunft (Teil 1)
FORSCHUNG UND BILDUNG
18   Schadstoffe in Raumluft aufspüren
18   Investition in unsere Zukunft
19   Optische Speicher
MESSEINFORMATIONEN
20   Sauberen Energieerzeugung
20   Schutz kritischer Infrastrukturen
21   Fachforum „3D-Metal Printing“ beleuchtet Potenziale
JUGENDPOWER
22   Raum für junge Forscher
22   Wenn die Evolution eine Abkürzung nimmt
TECHNIKGESCHICHTE
23   Dr. Adolf Beck – Pionier der Magnesium-Metallurgie
VEREIN DER INGENIEURE UND TECHNIKER IN THÜRINGEN e.V.
24   Mit Fruchtfliegen und Planetenbahnen zum Erfolg
24   Mitteldeutsches Forum 3D-Druck in der Anwendung
25   Schmiede- und Sommerfest in Suhl
25   Quedlinburg ist immer eine Reise wert
VEREIN DER INGENIEURE, TECHNIKER UND WIRTSCHAFTLER IN Sachsen e.V.
26   Sächsische Erfindungen in der Praxis (48)
27   115 Jahre Schwebebahn Dresden
VEREIN DER INGENIEURE UND WIRTSCHAFTLER in Mecklenburg-Vorpommern e.V.
28   Der Vorsitzende informiert
28   Tag der Technik
29   Seit 1889 – Technik für das Leben
RÄTSELSPASS

LEITARTIKEL

Liebe Leserinnen und Leser,

seit etwa 10 Jahren fließt die Additive Fertigung in Werkzeug- und Formenbau-Prozesse ein – sei es bei Einsätzen mit konturnaher Temperierung, bei perforierten Kavitäten zur Werkzeugentlüftung oder auch beim Thema Leichtbau. Die Additive Fertigung ist in unserer Branche ein ganz normales Fertigungsverfahren wie z.B. das Fräsen oder das Erodieren – das übrigens auch erst vor rund 30 Jahren Einzug in die Werkzeugmacher-Betriebe hielt.

Der 3D-Druck wird zwar bei den Bauraten zunehmend schneller und auf der Kostenseite auch günstiger, doch komplexe Werkzeuge und Formen, die hohe Stückzahlen produzieren, werden wir auch in Zukunft nicht ausschließlich per Additiver Fertigung bauen können. Dazu sind die Anforderungen zu heterogen. In Zukunft wird jedes Verfahren weiter erhalten bleiben und im Fertigungsprozess integriert sein. Diese Integration wird jedoch anders gestaltet sein, als wir es heute kennen. Der Trend, der sich abzeichnet, zeigt in die Richtung, dass es immer mehr hybride Verfahren geben wird, um Werkzeuge zu fertigen. Ein Umdenken ist daher notwendig, um in Zukunft eine Produktion ganzheitlich betrachten zu können. Die intelligente Nutzung aller Verfahren im Verbund, eingesetzt nach Notwendigkeit und Performance – das ist nämlich die Kunst, die es für uns Werkzeugmacher gilt zu beherrschen. Wir müssen effizient sein. Auch gerade weil unsere Branche von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt ist.

Genauigkeiten im µ-Bereich, Rapid Prototyping und gesinterte Werkzeugeinsätze sind heute schon Standard im Werkzeug- und Formenbau. Im Bereich der Laserbearbeitung sind jedoch noch weitere schnelle und große Entwicklungsschritte zu erwarten Ich sehe hier jedoch ausschließlich Chancen! Denn wir Werkzeugmacher haben den Anspruch, dass die Dinge funktionieren, die wir abliefern. Man kann meckern, wie man will, aber die deutschen Werkzeug- und Formenbauer sind einfach gut im Verantwortung übernehmen und sie haben auch Lust, neue Lösungsansätze zu finden. Das sind wichtige Kernkompetenzen. Und darum schauen wir heute auch gespannt auf die Entwicklungen bei den additiven Verfahren – oder entwickeln und forschen gar selbst daran.

Doch ein Thema plagt mich dabei – vor allem in meiner Position als Hochschullehrer: Nur die Ausbildung macht uns hier in Deutschland überlebensfähig. Daher bieten wir als VDWF auch verschiedene Weiterbildungs-Studiengänge an, um in diesem volatilen Markt, mit ständig neuen Technologieentwicklungen, immer vorn dabei zu sein. So können wir gewährleisten, dass auch in Zukunft noch Produkte an unserem Hochlohn-Standort gefertigt werden. Kurzum, Deutschland lebt von der Qualifizierung – nicht nur der Prozesse, auch der Menschen. Doch beim Thema Additive Fertigung haben wir nicht einmal eine Erstausbildung zu bieten! Das ärgert mich und das treibt uns auch im Verband um. Wir müssen über Modelle nachdenken, um überhaupt eine gemeinsame Grundlage von Ausbildungsinhalten zu schaffen. Im Additiv-Bereich sind auf der einen Seite zwar viele Autodidakten unterwegs, die ihren Job sicherlich richtig und gut machen, auf der anderen Seite fehlt uns eine vollumfänglich generelle Basis, auf die wir uns verlassen könnten. Welches sind die Kriterien, anhand derer man einen Bewerber einordnen kann? Wir haben sie nicht. Diese Grundlagen müssen also erarbeitet werden. Aus ihnen muss klar hervorgehen, welche definierten Kenntnisse z.B. jemand mitbringen muss, wenn er sich auf eine Stelle speziell für Additive Fertigung bewirbt.

Die deutschen Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen haben einen Weltruf und diesen wollen sie auch beibehalten. Mit dazu gehört, sich allen Themen rund um die Additive Fertigung zu widmen – von Material- und Verfahrenseigenschaften über Engineering und Werkzeugkonstruktion bis eben zur Aus- und Weiterbildung in diesem äußerst spannenden Bereich.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Seul
Hochschule Schmalkalden
www.hs-schmalkalden.de