INGENIEUR-NACHRICHTEN – Ausgabe 5/2017

Die Ausgabe 5 / 2017 (Print) ist erschienen.

Titelthema „Building Information Modeling (BIM)“

INHALTSVERZEICHNIS

TITELTHEMA
06 BIM Rollen und aktuelle Entwicklungen
07 Rechtliche Anforderungen an das Building Information Modeling
08 BIM und dessen Werkzeuge
09 Bauprojekte schneller und effizienter planen
INFORMATIONEN
10 Lebensräume gestalten: Das „Fraunhofer Stadtlabor“
11 Digitales Bauen ist noch Zukunftsmusik
12 Die Revolution im Bauwesen ist im vollen Gange
12 Bauprojekte besser planbar machen
13 Nachwachsende Baustoffe für die Städte der Zukunft
13 Biobasiertes Harz für stabile Holzbaustoffe
14 Brandsicher und nachhaltig
14 Verschlüsselung visueller Kommunikation
15 Comau Roboter kann sehen
16 Neuer Forschungsbau
16 Beton aus Holz
Leserbriefe
17 Gelebte Elektromobilität
FORSCHUNG UND BILDUNG
18 BIM für das mittlere Management
18 BIM-Labor: Studenten erlernen digitale Arbeitsmethode
19 „Bauprofile“ 2017 – Ausstellung der Bau-Abschlussarbeiten
19 Treffpunkt für Gebäudedatenmodellierung
MESSEINFORMATIONEN
20 Neue Elektronikmesse
20 Moderne Beschichtungsverfahren
21 Fachmesse für industrielle Drucktechnologie
21 Fachmesse Gefahrgut & Gefahrstoff
JUGENDPOWER
22 Ein Ingenieurbüro baut mit Kindern und Jugendlichen
TECHNIKGESCHICHTE
23 Die Entschlüsselung der DNA
VEREIN DER INGENIEURE UND TECHNIKER IN THÜRINGEN e.V.
24 VITT, Außenstelle Suhl, auf Tagesfahrt nach Freyburg/Unstrut
25 Wandertag des VITT Ortssektion Jena
VEREIN DER INGENIEURE, TECHNIKER UND WIRTSCHAFTLER IN Sachsen e.V.
26 27. Zittauer Energieseminar
26 Erfinderzentrum des VITW
27 Formel E Teil III
VEREIN DER INGENIEURE und wirtschaftler in Mecklenburg-Vorpommern e.V.
28 Der Vorsitzende informiert
28 Der Ingenieurrat des Landes Mecklenburg-Vorpommern stellt sich vor
29 Großbaustelle Elde-Talquerung A 14

LEITARTIKEL

Liebe Leserinnen und Leser,

Building Information Modeling (BIM) ist eine Methode im Bauwesen, die das Erzeugen und Verwalten von digitalen Abbildungen der physikalischen und funktionalen Eigenschaften eines Bauwerks beinhaltet. Die Bauwerksmodelle stellen dabei eine Informationsdatenbank rund um das Bauwerk dar, um eine verlässliche Quelle für Entscheidungen während des gesamten Lebenszyklus zu bieten; von der ersten Vorplanung bis zum Rückbau.
Nun soll die in den anderen Wirtschaftsbereichen der Bundesrepublik voranschreitende Digitalisierung auch für die Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft möglichst durchgängig greifen, um den vermeintlichen Nachholbedarf im nationalen wie internationalen Vergleich zumindest zu verringern. Mit Vorlage eines Stufenplans zur Einführung von BIM durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Dezember 2015 kam es auf Initiative von Politik, Wirtschaft, Kammern und Verbänden kurz darauf zur Gründung der „planen-bauen 4.0 Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH“; als Gesellschafter beteiligt sind unter anderen auch die Bundesarchitekten- und die Bundesingenieurkammer. Diese Gesellschaft ist jetzt die nationale Plattform für alle Fragen, BIM betreffend.
Neben den grundlegenden technischen Fragen zu Software, Schnittstellen, Formaten, Modellierung, Prozessgestaltung und BIM – Management erfährt der inländische Diskurs von Interessierten zunehmend die Beschäftigung mit den Rahmenbedingungen einer BIM – basierten Technologie. Die Formen der Zusammenarbeit, Vertragsgestaltung und Honorierung, Haftung und Versicherung, Urheberschutz, Normung und Vergaberecht sind nicht nur Schlagworte sondern einige der vielen Themenfelder und Bezeichnungen für Denk- und Arbeitskreise, wie der interdisziplinären ständigen Expertengruppe BIM bei der Bundesarchitektenkammer, der Arbeitsgruppe BIM beim Deutschen Baugerichtstag und anderen Organisationen. In Thüringen hat sich das Wirtschaftsministerium unter Wolfgang Tiefensee der Förderung von BIM verschrieben. Gemeinsam mit den Hochschulen und Verbänden werden immer wieder Initiativen gestartet und Projekte gefordert wie (ggf.) gefördert.
Bei der Vertragsgestaltung für BIM – Projekte sollten Auftraggeber und Auftragnehmer in partnerschaftlicher Einvernehmlichkeit die Beschaffenheitsvereinbarungen und das Leistungssoll in Korrelation zur Projektmethode umfassender, detaillierter sowie eineindeutiger definieren, als dies bei konventioneller Vertragsabfassung bereits erforderlich ist. Ebenso sind die gesonderten Leistungen und Risiken, insbesondere des Architekten, hinsichtlich einer angemessenen Vergütung fair zu vereinbaren. Hinsichtlich der durch BIM anzunehmenden Risiken der Verschiebung von Haftungsgrenzen der Planungsbereiche könnte das System der gemeinsamen Objektversicherung eine Lösungsrichtung ergeben.
Die rechtsdogmatisch mit den bestehenden Regelungen für lösbar gehaltenen haftungsseitigen Auswirkungen der Planungsmethode BIM setzen freilich voraus, dass alle Planungs- und Ausführungsbeteiligten über eine entsprechende höhere Qualifikation mit objektiv standardisiertem und subjektiv gegebenem Kommunikationsniveau verfügen. Das ist selbst in der klassischen Planungskultur selten der Fall. Übrigens, wer bereits die 3-D-Modellierung für seine Projekte anwendet, hat die erste Stufe von BIM bereits erreicht. Hier stehen zu bleiben ist allerdings technisch und wirtschaftlich wenig sinnvoll. Daher gilt es, geeignete Partner und Projekte für die kooperative Anwendung höherer Stufen von BIM zu gewinnen und sich auf das nächste Jahrzehnt vorzubereiten.
Dr.-Ing. Architekt BDA DASL
Claus D. Worschech
Worschech architects Erfurt