INGENIEUR-NACHRICHTEN – Ausgabe 3/2017

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Die Ausgabe 3 / 2017 (Print) ist erschienen.

Titelthema “ Auf dem Weg zum Mars – Raumfahrtvisionen“

INHALTSVERZEICHNIS

TITELTHEMA
06 Nächster Halt Roter Planet
07 Antarktis-Gemüse für die Raumfahrt: Gewächshaus für den Südpol
08 Sensoren aus Jena auf dem Weg zum Mars
09 Aufbruch zum Mars – der menschliche Faktor
INFORMATIONEN
10 High-tech made in Jena
10 Zukunftsfeld Big Data
11 Auf dem Weg zum Mars
12 Robuste Lasertechnik für Umwelt-Satelliten
13 Mit Schwefel Sonnenenergie speichern
13 Photothermischer CO2-Wandler
14 Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau
15 Rostocker Forscher wollen Wirbelschleppen bannen
16 Weniger Rußemissionen durch Biotreibstoffe in der Luftfahrt
16 DigiKAM ermöglicht Erschließung additiver Fertigungsverfahren
17 Laserunterstützte Generative Fertigung
17 Neue Fertigungsstrategien in der Medizintechnik
FORSCHUNG UND BILDUNG
18 Raumfahrt-Masterstudiengänge starten an der Universität Bremen
18 Aus dem All auf die Straße
19 ISS als Sprungbrett für die Wissenschaft
MESSEINFORMATIONEN
20 Additive Manufacturing mit hohen Wachstumsraten
21 efa 2017
21 CEB® – 10. Energie-Effizienz-Messe
JUGENDPOWER
22 DroPs – Schülerexperimente unter Schwerelosigkeit
TECHNIKGESCHICHTE
23 Mythos Autobahn
VEREIN DER INGENIEURE UND TECHNIKER IN THÜRINGEN e.V.
24 Ingenieurfest des VITT e.V. 2017
25 ZIM Netzwerke „SmartTec“ und „AdMessTec“
25 Schmiede- und Sommerfest 2017
VEREIN DER INGENIEURE, TECHNIKER UND WIRTSCHAFTLER IN SACHSEN e.V.
26 Formel E Teil II
27 Sächsische Erfindungen in der Praxis (50)
VEREIN DER INGENIEURE UND WIRTSCHAFTLER IN MECKLENBURG-VORPOMMERN e.V.
28 Der Vorsitzende informiert
29 SIMV e.V.

LEITARTIKEL

Liebe Leserinnen und Leser,

die Raumfahrt ist eine der großartigsten, wichtigsten, aber auch fabelhaftesten Errungenschaften der Menschheit. Großartig, weil sie unser Leben verbessern und sicherer machen hilft. Satelliten in der Erdumlaufbahn eröffnen uns grenzenlose Möglichkeiten wie globale Kommunikation und die blitzschnelle Übermittlung von Nachrichten. Der Wetterbericht ist zuverlässig wie nie. Und wer es hat, möchte es heute nicht mehr missen: Das Navigationssystem.
Wichtig ist die Raumfahrt, weil sie aus dem Blickwinkel des Alls zeigt, was wir Menschen unserem Planeten anzutun in der Lage sind: Sie hilft uns, den Klimawandel zu verstehen, den Einfluss unseres Handelns (oder nicht-Handelns) einzuordnen und Mittel und Wege zu suchen, mit denen die Erde „lebens-wert“ bleiben kann. Aus der Perspektive einer Blattlaus, die wir Menschen auf der Erdoberfläche einnehmen, wäre dies nie möglich.
Fabelhaft schließlich ist die Raumfahrt für die älteste aller Wissenschaften: die Astronomie, speziell für die Planetenforschung. Seit Jahrtausenden möchten wir wissen, wie dieser Planet Erde einzuordnen ist im Räderwerk des Kosmos. Raumfahrt ermöglicht es uns seit bald 60 Jahren, unserer kosmischer Nachbarschaft Besuche abzustatten. Mit Robotern, und, im Falle des Mondes, sechs mal sogar mit Menschen in die Tiefen des Alls vorzustoßen.
Die Fragen sind dieselben wie zu Aristoteles’ Zeiten: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Und vor allem: Ist da noch wer?
Dank der Gesteinsproben vom Mond wissen wir, woher wir kommen: Das Sonnensystem und mit ihm die Planeten ist etwa viereinhalb Milliarden Jahre alt. Der Blick in die phantastisch anmutenden Tiefen des Universums zeigt, dass wir – häufig strapaziert, trotzdem wahr – nichts anderes als Sternenstaub sind. Hervorgegangen aus Supernovae, Sternexplosionen, in deren heißen Gaswolken die schweren Elemente erbrütet werden, und die sich zu neuen, jungen Sternen zusammenballen. So entstand auch unsere Sonne mit allem, was dazugehört.
Ist da wer? Nun rückt der Mars ins Bild. Auf der Erde gibt es Leben, das macht diesen Planeten sehr speziell. Ein privilegierter Ort, denn hier ist es für Wasser, das für die Existenz von Leben unerlässlich ist, nicht zu kalt und nicht zu heiß. Dies vor allem hat der Evolution von primitivsten Organismen bis zur Krönung der Schöpfung (großes Fragezeichen…), dem Menschen also, Vorschub geleistet.
Wäre Leben auch auf dem Mars, dem schmalbrüstigen, kleinen Bruder der Erde denkbar? Nach allem, was wir wissen: Ja. Denkbar! Wir wissen es noch nicht, setzen aber viel daran, herauszubekommen, ob es jemals Leben auf dem Mars gab oder sogar noch heute gibt. Letzteres ist weniger wahrscheinlich, denn früher gab es Wasser auf dem Mars, heute hat es nur noch etwas Eis an Nord- und Südpol, so wie im Untergrund.
Raumsonden erkunden den Mars seit bald 50 Jahren aus der Umlaufbahn, Landesonden analysieren Bodenproben und die früheren und heutigen Umweltbedingungen. Legendär die beiden Viking-Landestationen von 1976. Das Ergebnis damals: negativ. Inzwischen macht man für den Mars mobil, die NASA hat schon vier Fahrzeuge, Rover, durch den ockerfarbenen Sand manövriert, das fünfte folgt 2020.
Wir Europäer beteiligen uns intensiv an der Suche nach Leben auf dem Mars: seit 2003 mit dem unverwüstlichen Orbiter Mars Express (an Bord eine deutsche Kamera mit einer Optik aus Thüringen), seit 2016 mit einem Orbiter, der in der dünnen Atmosphäre nach Spurengasen schnüffelt, die Hinweise auf den Stoffwechsel von Organismen geben könnten. Und ab 2020 mit einem Rover, der Laboreinrichtungen mit sich führt, um der Wissenschaft die ersehnte Antwort zu geben. Kein Planet war öfter das Ziel von Raumsonden, auf keinem Planeten ist die Suche nach Leben aber eben auch aussichtsreicher.
Bleibt noch die zweite Frage, jene nach dem Ziel dieser Reise auf der Arche namens Erde. Hier stehen die Vorzeichen nicht so günstig: In drei, vier Milliarden Jahren wird die Sonne allen Wasserstoff zu Helium verbrannt haben. Und sich zu einem ‚Roten Riesen’ aufblähen. Dann wird alles Wasser auf der Erde verdampft sein. Und auch der Mars keine Heimat mehr bieten können. Ist ja noch etwas Zeit bis dahin…

Ulrich Köhler
DLR-Institut für Planetenforschung
Berlin-Adlershof