INGENIEUR-NACHRICHTEN – Ausgabe 2/2018

Die Ausgabe 2 / 2018 (Print) ist erschienen.

Titelthema „Robotik und die neue Arbeitswelt“

INHALTSVERZEICHNIS
TITELTHEMA
06 HUMANufacturing
07 Weltraumrobotik für Erdanwendungen
08 Zeitersparnis dank Einsatz von Low-Cost-Robotik
09 Die virtuelle Welt erobert die Produktion
INFORMATIONEN
10 Daten als wertvollste Ressource von Unternehmen
11 e.DO: People make Robotics
12 5G in der Produktion
13 Für mehr Cyber-Sicherheit in der vernetzten Produktion
14 Intelligente Robotertechnologie
14 Roboter mit Hirn
15 Vorrichtung der Schlagbelastungsübertragung auf Diskenmeißel
16 Werkzeuge in der Schwerelosigkeit fertigen
17 Robotik für die Altenpflege
17 Die Zukunft der Industrie liegt in digitalen Arbeitsplattformen
FORSCHUNG UND BILDUNG
18 Museumsroboter blickt Besuchern in die Augen
18 Miniroboter bahnt sich seinen Weg durch den Körper
19 Erlebte Zukunft
19 Zusammenspiel von fünf Robotern
MESSEINFORMATIONEN
20 IT-Leistungsschau Thüringen
20 Hannover Messe 2018
21 Leichter bauen mit textilverstärkten Strukturen
21 Rapid.Tech + FabCon 3.D
JUGENDPOWER
22 Autonomes Modellauto startet durch
22 Girls‘ Day 2018
TECHNIKGESCHICHTE
23 Gleichstrom gegen Wechselstrom
VEREIN DER INGENIEURE UND TECHNIKER IN THÜRINGEN e.V.
24 Patentrezept für eine erfolgreiche Vermarktung
24 16. Regionalwettbewerb „Jugend forscht“
25 Von Luft allein kann man nicht leben
VEREIN DER INGENIEURE, TECHNIKER UND WIRTSCHAFTLER IN SACHSEN e.V.
26 Chinakontakte für KMU
27 25 Jahre Sächsischer Patentanwaltsverein
VEREIN DER INGENIEURE UND WIRTSCHAFTLER IN MECKLENBURG-VORPOMMERN e.V.
28 Der Vorsitzende informiert
28 Das Projekt „VIW-Technikbildung“ mit Schülern Rostocker Gymnasien
29 Bauingenieurnachwuchs in M-V

LEITARTIKEL

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn wir heute in die Realität der menschlichen Arbeit schauen, so zeichnet sich ein Bild ab, das vor wenigen Jahren noch reine Science Fiction war. Menschen arbeiten Hand in Hand mit Industrierobotern in der Produktion, Wartungsaufgaben werden von Assistenzrobotern übernommen oder mobile humanoide Roboter mit künstlicher Intelligenz beantworten die Fragen der Reisenden am Münchner Flughafen.
Roboter sind nicht mehr nur die stupiden Maschinen aus Stahl, die festverschraubt in der Werkhalle Fertigungsaufgaben übernehmen, nein Roboter dringen in völlig neue Bereiche vor – nicht nur physisch – sie werden mobil, mit intelligenten und sensitiven Fähigkeiten, sie kommunizieren mit uns, unterstützen uns und erweitern unsere Fähigkeiten.Waren es in der Industrie bisher Eigenschaften wie Wiederholgenauigkeit, Kraft und Kontinuität, die als Kriterium für den effektiven Einsatz ausschlaggebend waren, sind jetzt auch kollaborative Eigenschaften gefragt. Der Roboterarm, der den Menschen am Montage- oder Prüfarbeitsplatz unterstützt, muss die sensitiven Fähigkeiten haben, die gefahrlose Operationen von Mensch und Maschine im gleichen Arbeitsraum gewährleisten. Er muss schnell für neue Arbeitsaufgaben angelernt werden können und auch auf Sprachbefehle reagieren. Solche Systeme und Lösungen befinden sich zur Zeit gerade auf dem Weg vom Labor in die Praxis. Dass dies sogar auf zwei Beinen passieren kann, zeigen Roboter wie der „Atlas“ von Boston Dynamics.
Alle wichtigen Hersteller von Industrierobotern bieten inzwischen Cobots an, die sich für die neuen kollaborativen Arbeitsplätze eignen. Doch wie weit sind wir von der wirklichen Kollaboration noch entfernt? Oftmals fehlen die Voraussetzungen in den Unternehmen, die effektive und von den Mitarbeitern akzeptierbare Eisatzfälle ermöglichen.
An aller erster Stelle fehlt es oft am Willen der Entscheider, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen. Es fehlen Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter mögliche Einsatzfälle zu erkennen und vorzubereiten. Auch die erforderliche informationstechnische und organisatorische Integration bereiten oft Schwierigkeiten.
Der kollaborative Roboter ist die eine Seite, der Mensch die andere. Mitarbeiter die zukünftig direkt mit den maschinellen Kollegen zusammenarbeiten sollen, müssen vorbereitet und motiviert werden. Durch praxisnahes Training und die Beschäftigung mit realen Robotern kann hier viel erreicht werde. Schon an den Schulen und in der Ausbildung sollten deshalb bei den Jugendlichen die entsprechende Affinität geweckt und durch Erfolgserlebnisse eine positive Einstellung zu Robotern erzeugt werden.
So wie die additiven Fertigungsverfahren in Form des 3D-Drucks in die Klassenzimmer Einzug halten, muss auch die Robotik in den nächsten Jahren Bestandteil des Unterrichts werden.
Zukünftig werden uns Roboter nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Logistik, im Dienstleistungsbereich, bei Messen und Veranstaltungen, in Pflege und Medizin bis hin zum Haushalt und zur Freizeit begegnen. Wir Menschen müssen lernen, damit umzugehen und Politik und Verwaltung müssen die Rahmenbedingungen dafür schaffen.
Noch sind Themen wie der Arbeitsschutz, die Versicherungslage, rechtliche Aspekte, die steuerliche Behandlung autonomer und kollaborativer Roboter oder psychologische Probleme bei Ausbreitung der Robotertechnik kaum wissenschaftlich behandelt worden.
Wer haftet für Fehler, die die künstliche Intelligenz verursacht oder darf der Mensch zum Handlanger des Roboters degradiert werden? Es gibt also viel zu tun und erfahrene Ingenieure und Techniker sollten die Thematik ganz oben auf ihre Agenda setzen, denn ohne fachliche Voraussetzungen, wissenschaftliche Herangehensweise und einem humanistischen Konzept, wird es statt zum HUMANufactoring zur kalten Maschinisierung kommen.

Dipl.-Ing. Frank Sattler
SATTLER media & datasystems