Prognose: Virtuelle Realität wird in einigen Branchen heftig einschlagen

Virtual Reality

Virtual- und Augmented-Reality-Technologien sind im Kommen. Künftig könnten sie in vielen Wirtschaftsbereichen eine wichtige Rolle spielen – wenn sie noch leistungsfähiger werden. Ökonomen der Technischen Universität München (TUM) haben jetzt untersucht, welche Branchen sich auf gravierende Veränderungen durch die Technologien einstellen müssen. Ein kleiner Blick in die Kristallkugel.

Virtual-Reality-Technologie (VR) erzeugt eine virtuelle Umgebung, mit der Menschen mit mobilen Geräten interagieren können. Augmented-Reality-Technologie (AR) zeigt den Nutzern virtuelle Objekte in der natürlichen Umgebung. Beispielsweise blendet eine Brille Informationen zu einem Gegenstand ein, den der Mensch betrachtet.

Beide Technologien sind nicht nur Basis einzelner Produkte, sondern können in zahlreiche Anwendungen integriert werden. Deshalb haben sie das Potenzial, ganze Industrien tiefgreifend zu verändern.

Worauf sich Unternehmen einstellen müssen, haben Forscher der TUM untersucht und analysiert, in welchem Zeitraum und in welchen Bereichen sich die Technologien wahrscheinlich durchsetzen werden.

Radikale Veränderungen ab 2020

In sieben von 41 untersuchten Branchen wird die technologische Entwicklung zwischen 2020 und 2040 zu radikalen Veränderungen führen, so die Ökonomen:

Die verarbeitende Industrie wird mit VR und AR Kosten reduzieren und die Produktivität steigern können. Die Arbeit mit virtuellen Modellen wird die Produktentwicklung stark verändern. In der Produktion werden für alle Arbeitsschritte Anleitungen, Hilfestellungen oder weitere Informationen im Blickfeld der Arbeiter eingeblendet. Teams von verschiedenen Standorten werden in virtuellen Umgebungen zusammenarbeiten.

In Fahrzeugwerkstätten werden die neuen Technologien die Arbeit erleichtern, die in zuletzt aufgrund komplexer und differenzierter Automobiltechnik anspruchsvoller geworden ist. „Augmented Manuals“ werden für eine Vielzahl an Reparaturen die notwendigen Schritte für das jeweilige Fahrzeug anzeigen.

Im Einzelhandel werden sich Sparten tiefgreifend wandeln, für die das Online-Geschäft bisher eine geringe Rolle spielte: Im Möbelhandel können Kunden mit Augmented Reality zu Hause Möbel visualisieren und online bestellen. Handelssparten, die bereits online tätig sind, werden Kosten reduzieren können.  Der Modehandel könnte bspw. die große Zahl an Retouren reduzieren, wenn Käufer Kleidungsstücke mit Avataren anprobieren können.

Harte Zeiten für Konzertveranstalter       

Die Kommunikations- und IT-Service-Industrie wird sogenannte Social-VR-Dienste zum Massenmedium machen. Unternehmen werden ein großes Angebot an virtuellen Welten anbieten, in denen sich Nutzer von Angesicht zu Angesicht treffen und miteinander agieren. Die Spannbreite wird vom Café bis zur Partnervermittlung reichen.

Die Musikindustrie wird massive Veränderungen durchlaufen – Fans können Konzerte mit VR-Technologie überall und jederzeit erleben. Eintrittskarten werden an Bedeutung verlieren – nachdem sie infolge des CD-Niedergangs zur wichtigsten Einnahmequelle geworden waren.

In der Immobilienwirtschaft wird sich die Vermarktung von Gebäuden ändern. Unternehmen werden virtuelle Rundgänge durch geplante und auch bestehende Immobilien anbieten. Der teure und aufwendige Bau von Prototypen wird überflüssig. Auch für die Planung der Innenausstattung werden VR-Anwendungen Standard sein.

Für den Bildungssektor prognostizieren die Wissenschaftler, dass Hochschulen mit Fernstudium einen größeren Marktanteil gewinnen werden. Virtual-Reality-Klassenräume werden das Studieren zu Hause attraktiver und effektiver machen.

Das Fazit der Forscher: Virtual und Augmented Reality werden in großem Stil und mit Tempo bisherige Produkte, Geschäftsmodelle und Produktionsprozesse verdrängen. Unternehmen, die sich darauf einstellen, hätten guten Chancen, ihren Erfolg zu steigern, weil sie mit den Technologien die Produktivität erhöhen und Kosten senken können.

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