Sonde erreicht Asteroiden nach 300 Millionen Kilometern Reise

Asteroid Ryugu und Raumsonde Hayabusa2

Nach vier Jahren Reise hat die japanische Sonde Hayabusa2 den Asteroiden Ryugu erreicht, der rund 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Hayabusa2 soll in den nächsten eineinhalb Jahren den Asteroiden vermessen und im Jahr 2020 Material von der Oberfläche zur Erde bringen.

Aus nur noch sechs Kilometern Entfernung nahm die Teleobjektivkamera der Raumsonde vor wenigen Tagen die Asteroidenoberfläche auf. „Wir sehen, dass die gesamte Oberfläche von Ryugu mit großen Felsbrocken übersät ist – dies haben wir bisher so noch nicht auf einem Asteroiden gesehen“, sagt Prof. Ralf Jaumann, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und wissenschaftlicher Leiter der Landesonde MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) an Bord der japanischen Raumsonde. Am 3. Oktober soll MASCOT auf Ryugu landen und dort mit vier Instrumenten die Asteroidenoberfläche untersuchen.

Bisher hatte die japanische Raumfahrtagentur JAXA ihre Sonde in einer Höhe von 20 Kilometern über der Oberfläche des Himmelskörpers betrieben. Hayabusa2 hatte Ende Juni den Asteroiden erreicht. Am 16. Juli ließen die JAXA-Ingenieure Hayabusa2 von dieser Beobachtungsposition langsam absinken und blickten aus sechs Kilometern Höhe auf Ryugu. Die Auflösung ist dabei etwa drei bis vier Mal höher als in den Bildern aus 20 Kilometern Höhe – ein Pixel entspricht nun etwa 60 Zentimetern. Fast in der Mitte der Aufnahme ist ein besonders großer Krater zu sehen.

Die Bilder erreichen die Erde aus etwa 300 Millionen Kilometern Entfernung. Der Planetenforscher Ralf Jaumann erhält so einen ersten Eindruck von Ryugu: „Es ist wahrscheinlich, dass Ryugu das Bruchstück einer früheren Kollision ist. Allerdings: Wir sind gerade erst einmal seit kurzer Zeit am Asteroiden – und sehen lediglich die Oberfläche.“

Wie alt der Asteroid ist, wie er im Inneren aussieht, wie hoch seine Dichte ist, ob er aus vielen Schutt-Teilen oder aus einem größeren Stück besteht – diese Fragen wollen die Planetenforscher diskutieren und beantworten.

Seit dem 25. Juli 2018 befindet sich die Sonde Hayabusa2 wieder in ihrer Ausgangsposition in 20 Kilometern Abstand von Ryugu. Im August 2018 wird die Sonde dann erneut auf nur noch etwa einen Kilometer Abstand zum Asteroiden sinken, um so seine Gravitation zu messen. Diese beträgt nach Schätzung gerade einmal ein 60.000stel der Erdanziehungskraft.

Wichtig sind die detaillierten Aufnahmen des 900 Meter durchmessenden Ryugu und die Einschätzung seiner Gravitation auch für die Auswahl der Landestelle von MASCOT. Ende August wird diese mit allen beteiligten internationalen Wissenschaftlern und Ingenieuren festgelegt. Auch Hayabusa2 wird während der Mission zur Oberfläche des Asteroiden sinken und dort mehrfach Bodenproben einsammeln. Ende 2019 macht sich die Sonde dann wieder auf den Weg in Richtung Erde, um dort 2020 mit Proben des Asteroiden anzukommen.

Bild: DLR