Lichtblick im Kampf gegen multiresistente Keime

Im Oktober 2017 schlug die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alarm: Immer weniger wirksame Antibiotika gegen multiresistente Keime sind verfügbar. Forschergruppen aus Stuttgart und Tübingen beschreiben jetzt völlig neuartige Antibiotika-Strukturen. Sie könnten im Kampf gegen die gefährlichen Krankheitserreger einen signifikanten Beitrag leisten.

Weltweit registrieren Wissenschaftler immer mehr Keime, die mit verfügbaren Antibiotika nicht behandelt werden können. Deshalb hat die WHO die Entwicklung neuer Antibiotika gegen Methicilin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) priorisiert.

Momentan gängigen Reserveantibiotika wie Vancomycin oder Teicoplanin basieren häufig auf komplexen, zyklischen Peptiden. Die Wirkstoffe hemmen unter anderem die Zellwandbiosynthese, also den Aufbau der Bakterienzellwand sogenannter Gram-positiver Bakterien. Diese Bakteriengruppe unterscheidet sich von Gram-negativen Bakterien dadurch, dass ihre Zellwand aus einem Peptidglycon und nicht aus einer Lipidschicht besteht. Ein Problem: Die Zahl der Berichte über Vancomycin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme (VRSA) steigt ebenfalls – neue Strategien und Strukturen zur Bekämpfung Gram-positiver Bakterien werden daher dringend gebraucht.

Antibiotika aus Orchideen

Wissenschaftler der Universitäten Stuttgart und Tübingen zeigten nun, dass neuartige, nicht-natürliche Derivate der Naturstoffklasse der polyzkylischen polyprenylierten Acylphloroglucine (PPAP) potente Antibiotika gegen multiresistente Krankheitserreger sind. Sie werden aus Orchideen der Spezies Clusia rosea isoliert. Diese PPAPs weisen eine Aktivität wie die genannten Reserveantibiotika auf, behindern aber nicht die Zellwandbiosynthese. Ausgehend von einer sehr gut verfügbaren Grundchemikalie, sind sie zudem in nur wenigen Schritten in größeren Mengen verfügbar.

Sehr gute bis exzellente Aktivitäten gegen sieben Problemstämme und die sehr geringe Toxizität gegenüber menschlichen Zellen machen diese Verbindungen zu ausgezeichneten Startpunkten für die Entwicklung weiterer Antibiotika, wie die Forscher betonen. Sie hoffen nun darauf, dass die künftigen Medikamente bei einem Großteil der im Krankenhausbereich problematischen Entzündungskrankheiten wie etwa Lungen- oder Hirnhautentzündungen Hilfe bringen.