Stadtteile als grüne Selbstversorger

Blick auf die Stadt Ettlingen

Im Gegensatz zum Bund haben Kommunen wenig Spielräume für eine eigenständige Energiepolitik. Und so erscheint die Energiewende für einzelne Gemeinden als kaum beeinflussbare Entwicklung. Doch auf kleinster Ebene wird der energetische Umbau mit überschaubaren Mitteln steuerbar – bspw. als integratives Projekt für einen Stadtteil. Vielerorts rücken daher Quartierslösungen in den Fokus.

Doch die Suche nach guten, umsetzbaren Lösungen kostet Geld – schwierig vor dem Hintergrund der angeschlagenen wirtschaftlichen Lage öffentlicher Haushalte. „Deshalb sind in dieser Anfangsphase Fördermöglichkeiten bspw. der Kreditanstalt für Wiederaufbau zentrale Hilfen“, rät Christophe Hug, Vorsitzender Geschäftsführer der Tilia GmbH, die Kommunen und Unternehmen in der Konzeption und Umsetzung unterstützt. „Zudem sollten Kommunen Unterstützer zur Kooperation einbeziehen wie Unternehmen, Gewerbe, regionale Banken, Energieversorgungsunternehmen oder Stadtwerke und kommunale Betriebe. Gemeinsam können die Beteiligten dann ein Quartierskonzept erarbeiten – idealerweise ohne zusätzliche Kosten für die Kommune.“

Wie die Umsetzung aussehen kann, zeigt eine Reihe von Quartierslösungen im Landkreis Karlsruhe. Im Rahmen des Energie- und Klimaschutzkonzepts „zeozweifrei“ verwirklichten die Umwelt- und EnergieAgentur des Landkreises Karlsruhe (UEA) und Tilia in den vergangenen Monaten Projekte in verschiedenen Kommunen.

97 Prozent Erneuerbare Energien

So zum Beispiel im Musikerviertel der Stadt Ettlingen. „Vorrangiges Ziel in Ettlingen ist es, die Energiekosten der Bewohner im Gebiet deutlich zu senken“, berichtet Birgit Schwegle, Geschäftsführerin der UEA. „Indem durch Dämmung etc. Energie gespart und regenerative Energie im Viertel produziert und verbraucht wird, soll außerdem die Umweltbilanz verbessert werden.“

Heute baut das Ettlinger Musikerviertel auf eine langfristig günstige und ökologische Wärmeversorgung mittels Solarthermie, Holzpelletanlage, ein mit Biomethan betriebenes Blockheizkraftwerk, Spitzenlastkessel und Wärmespeicher. Der Anteil Erneuerbarer Energien liegt bei 97 Prozent – das Quartier verbraucht 1.831 Tonnen weniger CO2 pro Jahr. Die Investitionen von ca. 6,4 Millionen Euro kommen zu 80 Prozent aus Fördermitteln.

Kommunen und Unternehmen brauchen Handlungsspielräume bei der Energiewende. Spezielle Quartierslösungen können ein beherrschbares Mittel für den energetischen Umbau sein. Zumal die Kommunen zentraler Schauplatz der Energiewende sind. UEA-Geschäftsführerin Birgit Schwegle: „Hinter der Verwirklichung des großen Ziels einer CO2-freien Energieproduktion steht der systematische und ganzheitliche Ausbau auf kleinster Ebene. Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich in den Kommunen.“

(Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Ingenieur-Nachrichten) 

Bild: © Stadt Ettlingen