Lilienthal-Gleiter: Blick ins „Wunder der Ingenieurskunst“

Lilienthal-Gleiter im CT

Otto Lilienthal schuf mit seinem Gleitflugapparat vor mehr als 125 Jahren die Grundlage für die moderne Luftfahrt. Weltweit sind noch vier Exemplare des Apparats erhalten, eines davon steht im Deutschen Museum. Dort haben Forscher der Technischen Universität München (TUM) zusammen mit Airbus computertomografische Untersuchungen durchgeführt, die einen Blick ins Innere der Konstruktion erlauben.

„Der Apparat ist ein Wunder der Ingenieurskunst: extrem leicht gebaut und aus flexiblen Materialien gefertigt, die an den entscheidenden Stellen verstärkt wurden“, schwärmt Prof. Christian Große, Leiter des TUM-Lehrstuhls für Zerstörungsfreie Prüfung, über Otto Lilienthals Flugapparat.

Der „Normal-Segelapparat“ besteht aus einem Stoff-bespannten Holz-Skelett mit einer Spannweite von fast sieben Metern. Die Konstruktion war Basis für die weitere Entwicklung der modernen Luftfahrt. So nutzten die Gebrüder Wright die Erkenntnisse Lilienthals, um das erste Motorflugzeug zu bauen.

Vier Exemplare von Lilienthals Erfindung sind bis heute erhalten, eines davon befindet sich im Besitz des Deutschen Museums. Bisher können Besucher der Flugwerft Schleißheim nur das Original-Gestellkreuz des Lilienthalgleiters bestaunen – es sind aber Nachbauten des Apparats ausgestellt. Die Forschungen zusammen mit der TUM sollen helfen, die Überreste des Original-Gleiters so zu konservieren, dass er in der Luftfahrtausstellung spätestens 2025 wieder ausgestellt werden kann.

3D-Aufnahmen enthüllen neue Details

Eine detaillierte Zustandsbeschreibung ist die Grundlage dafür. Weil der Apparat dabei nicht beschädigt werden sollte, kam die Computertomografie zum Einsatz. Mit ihr können Objekte und verschiedene Materialien kontaktfrei bis ins Detail abgebildet werden.

Die 3D-Aufnahmen zeigten Klebungen, Nägel, Lackschichten und jede Menge Fraß-Löcher von Insekten. Teilweise sind die Holzstreben des Flugapparats völlig zerfressen und werden nur noch durch die äußere Lackschicht zusammengehalten. Die Nägel sind gebogen und so platziert, dass sie die Last verteilen und die Konstruktion verstärken – ein weiteres Detail, das erst durch die Computertomografie entdeckt wurde.

Die Ergebnisse der Untersuchungen helfen den Forschern zusammen mit den Konservierungswissenschaftlern am Deutschen Museum, die richtigen Restaurierungsverfahren zu entwickeln. So muss beispielsweise ein geeignetes Holzverfestigungsmittel gefunden werden. Allerdings ist der Einsatz von zerstörungsfreien Prüfverfahren nicht nur hilfreich für die Planung von Konservierungsmaßnahmen. Die Bilder des Computertomografen könnten auch genutzt werden, um den Besuchern der Ausstellung einen Blick ins Innere der Exponate zu ermöglichen.

Bild: Der ausgebreitete Original-Segelapparat von Otto Lilienthal / Deutsches Museum