Fassade aus dem Drucker

Individuelle_Gebäudehülle_aus_dem_Drucker

Architekten haben ein multifunktionales und lichtdurchlässiges Fassadenelement entwickelt, das aus dem 3D-Drucker kommt. In der neuen Fassade sind Funktionen wie Lüftung, Dämmung oder Verschattung bereits integriert.

Das 60 Zentimeter breite und einen Meter hohe Muster-Bauteil aus Kunststoff ist schneeweiß und wirkt filigran. Licht scheint diffus durch die Oberfläche. Trotzdem kann dieses Material ein Gebäude vor Wind und Wetter schützen. Das Bauteil ist ein funktionsintegriertes Fassadenelement aus dem 3D-Drucker, entwickelt von Architekten der Technischen Universität München (TUM).

Das Element ist stabil, aber auch lichtdurchlässig und multifunktional. Zellen im Inneren sorgen beispielsweise für Stabilität und schaffen gleichzeitig luftgefüllte Hohlräume für eine optimale Dämmung. Wölbungen des Materials spenden Schatten. Eingelagerte, dünne Röhren lassen die Luft von einer Seite zur anderen zirkulieren. Und eine mikrostrukturierte Oberfläche sorgt für optimale Akustik. All diese Funktionen sind skalierbar und lassen sich ohne extra Kosten individuell an verschiedene Anforderungen anpassen. Wenn das Bauteil mit dem 3D-Drucker gefertigt wird, werden zudem teure, bisher benötigte Sensoren, Steuerungsprogramme und Motoren überflüssig.

Nach dem Muster-Bauteil sollen nun Langzeittests unter Realbedingungen folgen. Ein komplettes Fassadenelement von 1,6 x 2,8 Metern Größe wurde dazu auf einem Versuchsstand installiert. Ein Jahr lang werden Sensoren Daten sammeln, mit deren Hilfe die Architekten der TUM dann ihr Design noch verbessern wollen. Dann wollen sie einen weiteren Prototyp aus Polycarbonat, einem zugelassenen Fassadenmaterial, fertigen.

Zukünftige Einsatzmöglichkeiten könnten zunächst bei Sonderbauten wie Museen, Bibliotheken, Einkaufzentren oder Versammlungsräumen liegen.

Bild: Professur für Entwerfen und Gebäudehülle / TUM