Röntgenkarte des Himmels

eRosita Spiegel

Das Röntgenteleskop eROSITA ist startbereit. Ab 2018 soll es den gesamten Himmel in bisher unerreichter Präzision durchmustern und rund 100.000 Galaxienhaufen nachweisen. Forscher erhoffen sich tiefere Einblicke in die Struktur des Universums und Hinweise auf die Natur der Dunklen Energie.

1,5 Millionen Kilometer Entfernung

Die Reise des Weltraumteleskops eROSITA begann bereits im Januar. An Bord eines Frachtflugzeugs ging es nach Moskau. Dort wird eROSITA in einem Reinraum zusammen mit dem russischen Teleskop ART-XC in die Raumfähre Spectrum Roentgen Gamma integriert. In den folgenden Monaten werden Techniker das Gesamtsystem ausgiebig testen. 2018 soll der tragende Satellit schließlich von Baikonur aus in den Weltraum gebracht werden. Ziel ist der zweiten Lagrange-Punkt (L2) in etwa 1,5 Millionen Kilometern Entfernung zur Erde.

Schwarze Löcher, Neutronensterne und Supernovae

An seinem Beobachtungsposten wird das Teleskop nach bisher unentdeckten Himmelskörpern suchen. eROSITA ist wesentlich empfindlicher als frühere Instrumente. Daher rechnen die Wissenschaftler damit, dass es rund 100.000 Galaxienhaufen nachweist. Deren Verteilung erlaubt Rückschlüsse über die Struktur des Universums und seiner zeitlichen Entwicklung. Zudem erhoffen die Forscher sich Hinweise auf die Natur der Dunklen Energie – das Phänomen, das das Universum beschleunigt expandieren lässt. eROSITA soll aber auch eine Fülle weiterer Objekte entdecken – Materie schluckende Schwarze Löcher, Neutronensterne oder die Gasreste explodierter Supernovae.

Lichtteilchen aus dem All sammeln

Entwickelt und gebaut wurde eROSITA unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Extraterrestrische Physik (MPE) in Garching, gefördert u. a. vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) . Das Teleskop besteht aus sieben parallel ausgerichteten identischen Spiegelmodulen mit jeweils 54 ineinander geschachtelten und vergoldeten Spiegeln. Sie sammeln hochenergetische Photonen und leiten diese an im Brennpunkt eines jeden Spiegelmoduls platzierte Röntgenkameras weiter. Für maximale Leistung müssen diese Kameras mit einem komplexen Rohrsystem auf -90 Grad Celsius gekühlt werden. Damit ist sichergestellt, dass eROSITA 25-mal empfindlicher ist als das ROSAT-Teleskop, das in den Neunzigerjahren die erste tiefe Himmelsdurchmusterung im Röntgenbereich durchführte.

Bild: DLR