Entwicklungsprojekt: Abwässer in Vietnam

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In vielen Teilen der Welt wächst die städtische Bevölkerung rasant – so auch in Vietnam. Doch die entstehenden Abwässer überfordern die lokale Infrastruktur. Lediglich ca. 10 Prozent der Abwässer vietnamesischer Städte werden momentan umweltgerecht aufbereitet. Ein aktuelles Entwicklungsprojekt soll helfen.

In den letzten Jahren wurden viele Entwicklungsgelder in den Aufbau der vietnamesischen Abwasserinfrastruktur investiert. Das Problem: In Vietnam fehlt oft die Erfahrung, die neu errichteten Anlagen ökologisch und ökonomisch optimal zu betreiben. Hier soll das deutsch-vietnamesische Gemeinschaftsprojekt „Good Practices and Development of a Management Partnership for Optimized Wastewater Management in Vietnam” ansetzen.

Zusammenarbeit vor Ort

Kern des Projekts ist die enge Zusammenarbeit vor Ort, zwischen dem Dienstleister Tilia GmbH und den beiden vietnamesischen Ver- und Entsorgungsunternehmen Bac Ninh Sewerage and Wastewater Treatment Co. Ltd und Soc Trang Urban Work Limited Company. Außerdem ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Rahmen des develoPPP.de-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beteiligt.

Seit Mitte 2015 läuft das praxisorientierte Projekt. Zeit für eine erste Zwischenbilanz: Bisher wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt. So installierten die Partner zuerst ein gemeinsames Online Reporting Cockpit. Mit der Software werden alle wesentlichen betrieblichen Indikatoren auf monatlicher Basis erfasst und gemeinsam ausgewertet.

Anschließend verbesserten Tilia und die vietnamesischen Unternehmen die Effizienz der örtlichen Klär- und Pumpenanlagen. Gemeinsam identifizierten sie Maßnahmen, um die Anlagen ökonomischer und ökologischer zu betreiben. Das führte zu gesteigerter Energieeffizienz und verbesserter Reinigungsleistung. Auch neue Ideen spielen hier eine Rolle. So entstand eine erste Berechnung, wie künftig Solarenergie für die Energieerzeugung genutzt werden kann.

Klärschlamm wird zu Dünger

Neben diesen Maßnahmen entwickelten die Beteiligten bereits Pilotprojekte. Klärschlamm aus den zentralen Kläranlagen der beiden vietnamesischen Provinzen wurde zuvor generell als Abfall betrachtet und deponiert. Mit einem speziellen Verfahren kann er aber zurück in den Nährstoffkreislauf gebracht werden. Bei dieser Technik wird der Klärschlamm unter anderem fermentiert und humifiziert. Es entsteht eine wertvolle Schwarzerde, so genannte „Terra Preta“.

Diese Erde kann künftig an die lokalen Bauern als Ersatz für Kunstdünger weitergegeben werden – ein geschlossener regionaler Kreislauf, der Mehrwert für alle Beteiligten bietet. Zumal selbst die notwendigen Materialien für die Aufbereitung vor Ort eingekauft werden können.

Weitere Maßnahmen sind geplant: Das deutsch-vietnamesische Gemeinschaftsprojekt wird noch bis mindestens Anfang 2018 fortgeführt.