Stadtplanung am Bildschirm

Sicherheitsplanung für urbane Gebiete

Software für urbane Sicherheit

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Bis 2030 soll laut UN-Prognosen der Anteil auf ca. 60 Prozent steigen. Trotzdem ist die zivile Sicherheit der Stadtbewohner im Städtebau bisher ein Randthema. Das soll sich ändern. Eine neue Software ermittelt und analysiert konkrete Risiken, quantifiziert Schäden und schlägt Maßnahmen vor.

Mit Klimawandel, Terrorismus oder sozialen Konflikten verbundene Sicherheitsfragen dringen verstärkt auch in die Stadtplanung. Eine neue Software namens VITRUV soll den Planern künftig helfen, bestehende Infrastrukturen zu optimieren. Sie kann bereits in der Entwurfsphase die Struktur eines kompletten urbanen Gebiets auf Sicherheitsaspekte hin analysieren und Schwachstellen identifizieren. Das vereinfacht die strukturelle Risikoanalyse, denn bisher mussten dazu einzelne Gutachten und Expertenmeinungen ausgewertet werden.

Das Tool arbeitet in allen Arbeitsphasen mit. Während der Konzeptphase führt die Software eine empirische Risikoanalyse durch. Sie nutzt dazu Daten aus bestehenden Wissensdatenbanken wie bspw. Securipedia, um die Anfälligkeit bestimmter Gebiete zu bewerten. Statistische Häufigkeiten werden in Abhängigkeit der Bedrohungsart, des bedrohten Objekts, der Region und der Exposition visualisiert.

In der Planungsphase und der Detailplanung analysiert das Tool städtische Strukturen sowie einzelne Gebäude und liefert Erkenntnisse über die zu erwartenden Konsequenzen für Menschen, Gebäude und Infrastruktur im Schadensfall. Neuralgische Punkte in der Stadtplanung, an denen hohe Schäden entstehen könnten, werden identifiziert. Mögliche Schäden berechnet ein validiertes physikalisches Ingenieurmodell mithilfe einer quantitativen Risikoanalyse. Verschiedene Szenarien wie Erdbeben, Explosionen oder Terrorangriffe können betrachtet werden. Die Software unterstützt Städteplaner auch dabei, passende Schutzmaßnahmen zu bestimmen.

VITRUV wurde in einem gleichnamigen EU-Projekt entwickelt. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut, EMI aus Freiburg zeigen die Software auf der Messe BAU 2017 vom 16. bis 21. Januar in München.

© Foto Fraunhofer EMI