Zu wenig Praxis in Ingenieurausbildung

Wie gut bereitet die Ingenieurausbildung gegenwärtig auf den Beruf vor? Eine aktuelle Studie des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und der Stiftung Mercator sieht Verbesserungsbedarf. Ein zentrales Ergebnis: Ganz besonders die Praxiskenntnisse der Studierenden sind für viele Unternehmen nicht ausreichend.

Demnach vermissen die Arbeitgeber bei 43 Prozent der Bachelor- und 37 Prozent der Master-Studierenden Praxiskenntnisse „stark“ bis „sehr stark“. Gleichzeitig sind aber diese Kenntnisse für Unternehmen zu 48 Prozent für die Einstellung entscheidend. 81 Prozent der Unternehmen werten auch soziale Kompetenzen der Bewerber, ihr Auftreten und ihre Präsentation als wichtig –  laut Studie verfügen jedoch nur 23 beziehungsweise 32 Prozent der Bachelor- und Master-Absolventen über diese Kompetenzen.

Die Studie mit dem Titel „15 Jahre Bologna-Reform – Quo vadis Ingenieurausbildung?“ vermeldet aber auch Positives: So werden die Bologna-Reformen mittlerweile gut in den Hochschulen umgesetzt und von den Unternehmen akzeptiert. Weiterhin scheinen die dualen Studiengänge ein Erfolgsmodell zu sein: Hochschullehrer beurteilen die praxisnahe Ausbildungsform zu 72 Prozent als „gut“ bis „sehr gut“. 69 Prozent der befragten Führungskräfte von Unternehmen geben an, durch duale Studiengänge „gute“ bis „sehr gute“ Nachwuchskräfte gewonnen zu haben.

Für Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, ist daher klar: „In der Ingenieurausbildung muss die Praxisorientierung weiter ausgebaut werden. Die Fachhochschulen zeigen, dass mehr Praxis im Studium möglich ist. Auch die Bedeutung des dualen Studiums ist bei Hochschullehrenden und Unternehmen unumstritten.“ Die Studie bewerte für den Berufseinstieg Praxissemester und -module der Fachhochschul-Studiengänge ebenso positiv wie die dualen Studiengänge, so Rauen. „Das zeigt: Nur eine stark anwendungsorientierte Ausbildung bereitet die Studierenden optimal auf eine Industrielaufbahn vor.“