Geschäftsklima Sachsen-Anhalt: Nach starkem 2015 überwiegt Skepsis

Sachsen-Anhalts Unternehmen bewerteten die Geschäftslage im vergangenen Jahr positiv wie lange nicht, sind für 2016 aber skeptisch. Das zeigt die regelmäßige Befragung der Unternehmen durch die Landesarbeitsgemeinschaft der beiden Industrie- und Handelskammern in Sachsen-Anhalt (LAG). In die Auswertung gingen die Einschätzungen von mehr als 1.000 Unternehmen ein.

Demnach stieg der Geschäftsklimaindex im vierten Quartal 2015 auf einen Wert von 20,4 Prozentpunkten – zwölf Monate zuvor hatte er noch bei nur 9,2 Prozentpunkten gelegen. Der Teilindex „Geschäftslage“ erreichte gar ein Neun-Jahres-Hoch. Gleichzeitig waren viele der befragten Unternehmen für 2016 aber skeptisch. Der Ausblick war zuletzt überwiegend negativ, die Erwartungen pessimistisch: Der Indexwert für die Geschäftserwartungen lag im Saldo bei -4,8 Prozentpunkten.

Ein möglicher Grund für die Kluft zwischen Lagebewertung und Erwartung: Die Aufwärtsbewegung im Jahresverlauf 2015 wurde vor allem von internen und externen Sondereffekten begünstigt, erklärt der Präsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, Klaus Olbricht. Dazu zählten Ölpreisverfall, Abwertung des Euro zum Dollar, gestiegener Inlandskonsum und zusätzliche öffentliche Nachfrage durch die Zuwanderung.

Die Präsidentin der IHK Halle-Dessau, Carola Schaar, ergänzt, dass nur die gute Konjunktur die Unternehmen vor deutlich negativeren Rückwirkungen – etwa durch Entlassungen aus dem Anfang 2015 eingeführten Mindestlohn – bewahrt habe. Zudem formuliert Schaar wirtschaftspolitische Empfehlungen im Vorfeld der Landtagswahl. Allen voran die Forderung nach einer klaren, konstanten und verlässlichen Wirtschaftspolitik, die „die wettbewerbsbedingt unvermeidbare Unsicherheit für unternehmerisches Handeln nicht noch vergrößern darf“. Präsident Olbricht ging in diesem Zusammenhang auf die Fachkräftesituation in Sachsen-Anhalt ein. „Dieses Problem verschärft sich weiter und lässt sich nicht mehr durch einzelne Eingriffe oder Maßnahmen lösen. Wir brauchen ein Gesamtkonzept.“