Serielles Bauen gegen Wohnungsnot

Um den zunehmenden Bedarf an kostengünstigem Wohnraum vor allem in Ballungszentren zu decken, würden bis 2020 jährlich mindestens 140.000 neue Mietwohnungen gebraucht. Der Gesamtbedarf an neuen Wohnungen betrage jährlich gar 400.000 Einheiten, schätzen der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW).

Bau- und Wohnungswirtschaft müssten um diese Herausforderungen zu meistern stärker auf serielles Bauen setzen. In Ergänzung zur Einzelfertigung werden dabei Prototypen entwickelt, die schnell und kostengünstig in Serie umgesetzt werden könnten. Um die Vorteile seriellen Bauens zu nutzen, bieten sich laut Dipl.-Ing. Marcus Becker, Vizepräsident Wirtschaft des HDB, vor allem zwei Wege an: „Zum einen können die Unternehmen der deutschen Bauindustrie in konventioneller Bauweise durch die Optimierung der Wohnungsgrundrisse mit hohem Wiederholungsgrad, verbunden mit einem verstärkten Einsatz von Fertigelementen, erhebliche Kostenvorteile erzielen“. Zum anderen sieht Becker in der Modul- bzw. Systembauweise eine Alternative auch für Wohngebäude: „Dies ist möglich, weil beim systematisierten Bauen viele Teile bis hin zu ganzen Wohnmodulen industriell vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle montiert werden. Ein hoher Wiederholungseffekt senkt die Baukosten.“

Leerstand geringer als angenommen

In einer aktuellen Umfrage erklärten über 70 Prozent der befragten GdW-Unternehmen, Interesse an Typenbau und Typengenehmigungen zu haben. Rund 50 Prozent der Befragten planen, künftig serielle oder modulare Elemente beim Bau einzusetzen.

Darüber hinaus sehen HDB und GdW die Politik am Zug – begrüßt wird bspw. die geplante Anhebung der sozialen Wohnraumförderung. Außerdem müsse generell für ein positives Neubauklima in Deutschland gesorgt werden. In diesem Zusammenhang verweist GdW-Präsident Axel Gedaschko darauf, dass die derzeit häufig genannte Zahl von 1,7 Millionen leerstehenden Wohnungen in Deutschland aus dem Jahr 2011 völlig veraltet sei. „Wir können heute davon ausgehen, dass es maximal 700.000 wirklich am Markt verfügbare Wohnungen gibt – und diese sind bei weitem nicht alle gut infrastrukturell angebunden oder in Regionen, wo man sie einfach nicht braucht.“