Energie: Wie wird eine Kommune effizienter?

Biogasanlage Querfurt

Mit einem nachhaltigen Energiekonzept macht sich die Stadt Querfurt in Sachsen-Anhalt zunehmend effizienter und steigert die lokale Wertschöpfung. Die Kosten konnten deutlich gesenkt sowie frische Einnahmen für die lokalen Akteure erwirtschaftet werden. Dazu wurde u. a. eine eigene Biogasanlage in Betrieb genommen.

Bereits Mitte der 1990er-Jahre stellte die 11.500-Einwohner-Stadt ihre Fernwärmeversorgung komplett auf Erdgas um. Doch als ab dem Jahr 2000 die Gaspreise regelrecht explodierten und die Nachfrage sank, wurde das System zum Problem: Für die Querfurter verteuerte sich Wärme rapide – analog zur bundesweiten Entwicklung. Wie viele Gemeinden in Sachsen-Anhalt verlor die Stadt stetig Einwohner. Und auch in Querfurt verringerten Gebäudesanierungen den Bedarf an Fernwärme weiter. Das alles führte letztlich dazu, dass die kommunale Energieversorgung Ende der 2000er-Jahre mehr und mehr an Wettbewerbsfähigkeit verlor.

Selbst ist die Stadt

Heute ist Querfurt mit seinem Energiekonzept auf dem Weg zu erhöhter energetischer Effizienz – und das bei gleichzeitiger Erhöhung der Wirtschaftlichkeit. Seit 2009 konnten die Wärmeproduktionskosten um mehr als 20 Prozent gesenkt werden, die Emissionen um mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig steigerte die Fernwärmegesellschaft dank neu gewonnener Kunden der Wärmeabsatz um 25 Prozent. Für die Fernwärmekunden sanken die Bezugskosten und stabilisieren sich auf sehr niedrigem Niveau. Darüber hinaus schaffen die initiierten Maßnahmen eine direkte und indirekte regionale Wertschöpfung, die jährlich im hohen sechsstelligen Bereich liegt – weil weniger Energie eingekauft werden muss und gleichzeitig mehr vor Ort umgewandelt wird. Wie gelang diese Trendwende?

„Wir haben 2009 beschlossen, zu prüfen, wie unsere Energieversorgung modernisiert werden kann um einem großen Teil unserer Bewohner eine sichere, preisgünstige und umweltfreundliche Wärme- und Stromversorgung bieten zu können“, informiert Querfurts Bürgermeister Peter Kunert, Initiator dieses Prozesses. „Wir wollten das sowohl konzeptionell sauber als auch pragmatisch angehen, dabei Umsetzbarkeit und Nachhaltigkeit für alle im Auge behalten.“

Dazu gingen die Querfurter mit dem Leipziger Dienstleister Tilia eine enge Kooperation ein, eine sogenannte Impulspartnerschaft. „Die gemeinsame, offene und transparente Analyse und Suche führte zu zwei gangbaren Wegen für die Zukunft: Einerseits den Anteil an lokalen und nachhaltigen erneuerbaren Energien erheblich auszubauen, indem eine Biogasanlage errichtet wird. Diese kann im Wesentlichen mit landwirtschaftlichen Reststoffen gefüttert werden, daher nachhaltig und unabhängig Strom sowie Wärme liefern. Andererseits – auf dieser neuen, effizienteren Basis – Neukunden zu gewinnen und bestehende zu binden. Das waren die zentralen Punkte eines ganzen Pakets an weiteren Maßnahmen“, erläutert Tilia-Geschäftsführer Christophe Hug.

Konzept in Praxis umgesetzt

Nach Planung und knapp 10-monatiger Bauzeit ging Ende 2012 eine eigene Biogasanlage ans Netz. Für ihren Betrieb brachte Tilia die Wohnungsbaugesellschaft und die regionale Agrargenossenschaft als Anteilseigener in der Biogas Querfurt GmbH und Co. KG zusammen. „Eine echte Win-win-Situation“, stellt deren Geschäftsführer Jörg Kamprad fest. „Die reichlich anfallenden Reststoffe des Agrarbetriebs werden in der Anlage verarbeitet. Sie machen 70 bis 80 Prozent des für die Energiegewinnung genutzten Materials aus.“ Damit produziert die Anlage fast ein Drittel der im Stadtviertel Querfurt-Süd benötigten Fernwärme und sichert ganzjährig den Strombedarf von 1.400 Haushalten.

Zudem konnte dann das Carl von Basedow Klinikum als Neukunde für die Energieversorgung gewonnen werden. „Krankenhäuser haben einen konstant hohen Strombedarf und sind interessiert an langfristiger Kostensicherheit“, sagt Ekkehardt Tutschka, Geschäftsführer der kommunalen Fernwärmegesellschaft Querfurt. Die Partnerschaft zwischen dem Carl von Basedow Klinikum und der Fernwärmegesellschaft konnte diese Sicherheit bieten. Über den Bezug von Strom und Wärme zahlt das Klinikum für die Energiebeschaffung nun 20 Prozent jährlich weniger. Zugleich gewann die Fernwärmegesellschaft einen wichtigen neuen Kunden, der langfristig den Wärmeabsatz im Bezugsgebiet sichert.

Neben dem Klinikum gelang es zahlreiche regionale Akteure in die Neustrukturierung einzubinden, was der regionalen Wirtschaft insgesamt Schwung verlieh. Es wurden bisher über 3,5 Mio. Euro in kommunale Energieprojekte investiert, im Rahmen der Betriebsführung jährlich mehr als 150.000 Euro für Fremdleistungen vergeben – vor allem an die lokale Wirtschaft. Die Kommune profitiert über ihre Beteiligungen an der Wertschöpfung der Biogas Gesellschaft. Da alle Gesellschaften lokal verwurzelt sind, kann sie sich zudem über das das erhöhte Gewerbesteueraufkommen freuen. Nicht zuletzt entstanden in der Biogasanlage 1,5 neue Arbeitsplätze und die bestehenden Arbeitsplätze in der Fernwärme wurden gesichert. „In Querfurt sollen möglichst viele profitieren“, fordert Bürgermeister Kunert.