Ausblick: Thüringer Wirtschaft 2016

Der Blick auf das neue Jahr ist noch von einigen Unsicherheiten geprägt. Herausforderungen wie die Bewältigung des Flüchtlingszustroms oder die Eindämmung internationaler Krisenherde müssen gemeistert werden. Und auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Inland beeinflussen die konjunkturelle Entwicklung der regionalen Wirtschaft. Für 2016 rechnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt dennoch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 Prozent in Thüringen.

„Die Wirtschaft im Freistaat präsentierte sich 2015 in einer guten Verfassung. Nahezu alle Branchen verzeichneten eine positive Auftragslage und berichteten von gut gehenden Geschäften“, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Der billige Euro, niedrige Zinsen sowie der schwache Ölpreis hätten auch in der regionalen Wirtschaft wie ein kleines Konjunkturpaket gewirkt. So gingen zusätzlich zur stabilen Binnennachfrage vermehrt Wachstumsimpulse vom Export aus. Nach vorläufigen Berechnungen der IHK könnten die Thüringer Industriebetriebe mit rund 10 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert beim Auslandsgeschäft erzielen. Insgesamt dürfte das Verarbeitende Gewerbe einen Umsatz von etwa 29 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Erfreulich würde auch die Bilanz für 2015 im Einzelhandel und im Gastgewerbe ausfallen.

„Thüringen setzte auch 2015 Maßstäbe auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt“, zeigt sich der IHK-Chef erfreut. So habe die Arbeitslosenquote im Freistaat konstant unter dem Durchschnitt der neuen Bundesländer gele-gen und sich im Jahresverlauf immer mehr dem gesamtdeutschen Wert angenähert. Mit einer ähnlich positiven Entwicklung sei auch 2016 zu rechnen, wenn auch in abgeschwächter Form. Ungeachtet der Zuwanderung durch Asylsuchende beeinflusse der demografische Wandel den Thüringer Arbeitsmarkt. Die steigende Zahl der Rentner und Pensionäre müsse schließlich durch neue Fachkräfte ersetzt werden.

„Welchen Weg die Thüringer Wirtschaft 2016 geht, hängt noch von vielen Unbekannten ab. Ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im nächsten Jahr in Thüringen von etwa 1,5 Prozent ist aber durchaus realistisch“, prognostiziert der IHK-Hauptgeschäftsführer. Der Konjunkturoptimismus basiere überwiegend auf der Erwartung einer anhaltend dynamischen Binnennachfrage zu der 2016 auch eine spürbare Aufhellung des außenwirtschaftlichen Umfelds trete. Vor allem die gute konjunkturelle Entwicklung in den USA und der weiterhin günstige Eurokurs seien für die exportorientierten Firmen des Freistaats von Vorteil. Immerhin gehörten die Vereinigten Staaten zu den Top-Drei der wichtigsten Thüringer Außenhandelspartner.

„Eine harte Bewährungsprobe für den Aufschwung dürfte in den nächsten Monaten allerdings die Lösung der Flüchtlingsfrage seien. Die reibungslose Integration einer so großen Zahl an Zuwanderern in Ausbildung und Beschäftigung ist alles andere als einfach“, mahnt Grusser. Der Zustrom von Asylbewerbern stimuliere zwar kurzzeitig den Konsum. Man dürfe aber nicht verkennen, dass dies nur eine Scheinkonjunktur unter staatlicher Subventionierung darstelle.